Bike Urlaub einmal ganz anders. Anstelle mit dem Auto ins Gebirge, mit
dem Flieger auf eine Insel. Vor fast 10 Jahren habe ich das schon einmal
gemacht. Damals war es drei Wochen Korsika mit Bike und Zelt auf eigene
Faust. Diesmal sollte es Erholung sein. Zwei Wochen Hotel und geführte
Touren auf La Palma. Eigentlich hatte ich ja alle meine Urlaubstage und
Überstunden schon aufgebraucht und nicht mehr damit gerechnet nach
La Palma mit zu können. Dann eine Woche vor dem Abflugtermin ging
es doch noch. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.
Die Insel
La Palma gehört zu den Kanarischen Inseln. Sie zählt zu den höchsten
Inseln der Erde (Höhe in Relation zur Fläche). Die mit ausgedehnten
Kiefern- und Lorbeerwäldern bewachsene Gebirgslandschaft hat tief
eingeschnittenen Schluchten und wechseln mit Zonen üppiger subtropischer
Vegetation und bizarren urgewaltigen Vulkanlandschaften ab.
So etwas wie Massentourismus gibt es nur in Puerto Naos. Wobei es hier
nur ein großes Hotel (Sol Elite) und einige Appartements gibt. Ein
nennenswertes Nachtleben im Vergleich zu Gran Canaria/Teneriffa gibt es
nicht. Also, alles sehr übersichtlich. Hier ist auch einer der ganz
wenigen (schwarzen) Sandstrände der Insel.
Der Urlaub
Beim Buchen gerade noch den letzten Platz im Flieger bekommen. Bleibt nicht
mehr viel Zeit für die Vorbereitungen. In Ludwigsburg leihe ich mir
einen extra großen Bike Koffer in den auch ein Bike mit Doppelbrückengabel
rein passen soll. Was nimmt man eigentlich mit in so einen Bike Urlaub.
Bis jetzt spielte das Gewicht ja keine so große Rolle. Beim Fliegen
darf es nur ein 20KG Koffer und 30 KG Sportgepäck sein. Bei 16 KG
Bike + 12 Kg Bike Koffer bleibt nicht mehr viel Spielraum übrig.
Joachim bringt uns mit seinem Bus am Abflugtag an den Flughafen nach
Echterdingen. Noch mal vielen Dank. Die Bike Koffer gehen definitiv nicht
in einen normalen PKW. Am Flughafen gibt es lange Schlangen wegen den verschärften
Kontrollen. Bevor wir uns einreihen können muß ich erst mal
meine Reiseunterlagen holen und bezahlen. So jetzt erst mal anstehen. Wir
haben definitiv die größten Koffer. Beim Check in zeigt der
normale Koffer 22KG und der Bike Koffer 45 KG an. Es geht trotzdem ohne
Aufpreis. Für 50 DM hin und zurück das Bike mitnehmen ist recht
günstig. Der Flug mit Condor ist angenehm und ohne besondere Vorkommnisse.
Nach 4 Stunden Landen wir in Santa Cruz auf der Ostseite von La Palma.
Da Laut Alps Tours der Reiseveranstalter uns mit den großen Koffern
vom Flughafen aus nicht mitnehmen kann, hatten wir ein Taxi (VW-Bus) das
auf uns wartete. Der Transfer zum Hotel dauert über eine Stunde. Wir
müssen um nach Puerto Naos zu kommen genau auf die andere Seite der
Insel. Die Straße steigt von Meereshöhe bis auf 1300m dort fahren
wir durch einen Straßentunnel. Als wir aus dem Tunnel kommen ist
die Landschaft auf einmal ganz anders. Auf der Ostseite war es bewölkt
und waldig. Auf der Westseite haben wir blauen Himmel, Kakteen und weiter
unten Bananenplantagen. Jetzt wieder runter bis auf Meereshöhe nach
Puerto Naos. Nach dem Check in im Hotel ist volles Programm angesagt. Die
Bikes müssen startklar gemacht werden und bei der Bike Station müssen
wir uns auch noch melden.
Die Leute an der Bike Station La Palma sind sehr sympathisch. Chris
macht das Organisatorische, Ottes und Ufo begleiten die Touren. Wie viel
Touren habt ihr den gebucht? Drei oder fünf? Natürlich haben
wir drei UND fünf Touren gebucht. Das scheint etwas ungewöhnlich
zu sein. Wir lassen uns auf der Landkarte die Touren zeigen. Morgens um
09:30 Uhr geht es zuerst immer mit einem Shuttle bis auf 800-1200m hoch.
Von unterschiedlichen Startpunkten aus werden dann Touren mit 600-1100
Hm gefahren. Durch die Abfahrt bis ans Meer ist es dann meisten über
50 Km. Normalerweise ist man bis 16:00 Uhr wieder zurück. Je nach
Anzahl der Teilnehmer werden die Bikes im Transporter oder auf einem Spezialanhänger
transportiert. Wir waren auf den geführten Touren zwischen 4-12 Personen.
Unterhalb von 600m Höhe ist die Westseite der Insel von Bannanen Plantagen
übersät. Hier kann man sich nur auf den normalen Straßen
fortbewegen. Die Touren verlaufen meisten im Pinienwald auf unterschiedlich
sandigen Pisten, die stellenweise sehr weich sind. Landschaftlich war alles
sehr beeindruckend, da je mehr man in den Süden kommt überall
erkaltete Lavafelder vorhanden sind. Das Wetter war einfach nur schön.
Immer blauer Himmel und warm. Sobald die Sonne im Meer versunken ist wird
es dann kühler. Nach der Tour kann man sich am schwarzen Sandstrand
sonnen und noch eine Runde im Meer schwimmen gehen. An den Pausentagen
sind wir morgens vollgepackt mit "Pausengepäck" mit hoch geshuttelt
und haben uns dann auf eigene Faust ein Plätzchen gesucht. Dank GPS
haben wir auch immer wieder sicher zurückgefunden. Das Kartenmaterial
kann man getrost vergessen.
Ersatzteile fürs Bike gibt es keine auf der Insel. Der Vorsorglich
mitgenommen Reifen wurde auch benötigt. Leider hatte ich meine neuen
Ersatzbremsbeläge vergessen. Da keine zu bekommen waren habe ich meinen
Bruder von Deutschland welche zuschicken lassen. Die waren mit der ganz
normalen Post auch nach vier Tagen da. Letztendlich hat mir Ottes von der
Bike Station doch schneller welche besorgen können. Er hat noch am
Abend eine Mail in die Schweiz an einen Radhändler geschickt, der
am folgenden Tag zum Urlaub machen nach La Palma gekommen ist. Er hat mir
dann zwei Sätze mitgebracht.
Bis auf eine Tour sind alle Touren mit guter Grundkondition und Fahrsicherheit
zu bewältigen. Je nach Gruppe werden dann schwierigere Varianten ausgelassen.
Obwohl man durch den Shuttle schon recht weit oben ist kommen am Ende dann
immer doch einige Höhenmeter zusammen. Die Anstiege sind meistens
eher flach und lang. Die Sandpisten würden sonst auch beim nächsten
Regen sofort weggespült. Man muß schon immer ein bißchen
wachsam sein, daß man nicht plötzlich im weichen Sand steckenbleibt.
Die Steine auf den Geländestücken sind extrem rauh. Nachdem ich
mir meinen Reifen schon beim ganz "normalen" wegrandfahren zerschnippelt
habe, war ich normalerweise immer ganz brav. Als dann aber auf einer Tour
Leute von "Bike Adventure Tours" dabei waren und es eine kleine Trail Kombination
gab habe ich mal g‘schwind gezeigt wie man bei uns im Schwabenland so einen
Trail ganz entspannt runter fährt. Unten bin ich dann zu den anderen
gestanden und habe gewartet bis alle runter gehoppelt waren.
Natürlich haben wir auch eine Tour an den Rand der Caldera gemacht.
Die Caldera ist der größte Erosions Krater der Welt. Es ist
aber eine reines Wandergebiet und im Verhältnis zu den anderen Orten
auf der Insel doch etwas überlaufen. Wie es auf den Wanderwegen in
der Caldera aussieht kann ich nicht sagen, weil dort das Biken nicht erlaubt
ist und zum Wandern keine Zeit war.
Was hat mir besonders gefallen:
Auf den absolut beeindruckenden Lavasand Felder zu sein.
Das klasse Wetter
Die rundum Versorgung (Tourguide, Hotel)
Die Glorietta. Eine wunderschöner Park der mit Millionen von bunten
Mosaik Steinchen gebaut worden ist.
Was war nicht so gut:
Das Wasser schmeckt überhaupt nicht. Zuerst dachte ich das wäre
Batteriewasser
Die Bausünden in Puerto Naos
Der Cortato (Kaffe mit süßer Milch). Da liegt wohl daran, das
ich keinen Kaffee trinke